„Stadt multidisziplinär“

Im Rahmen des Workshops „Stadt multidisziplinär. Projekte und Perspektiven der Forschung„, der am 30.10.2018 in der Schader Stiftung stattfand, konnten wir das Konzept des Forschungsprojekt „Großsiedlungen in der Krise?“ und erste Ergebnisse präsentieren. Der Workshop diente dem Austausch über Forschungsprojekte, die aktuell an der TU Darmstadt im Bereich der Stadtforschung laufen, bezog aber auch die Perspektive von Praktikerinnen und Praktikern in der Stadtplanung mit ein.

Mit unserem Beitrag konnten wir auf die Bedeutung von Wertvorstellungen für die Planung und für den Umgang mit der gebauten Umwelt aufzeigen. Am Beispiel der Großsiedlungen wird aber auch besonders deutlich, wie sich Wertvorstellungen im Laufe der Zeit ändern und welche Konsequenzen dies für die Beurteilung der Siedlungen hat.

Zum Programm des Workshops

Historikertag 2018

Auf dem disjährigen Historikertag, der vom 25.-28.9. in Münster stattfand, war eine Sektion für unser Projekt besonders interessant. Die von Christiane Reinecke geleitete Sektion „Urban distinctions. Praxeologische Perspektiven auf Segregation und Nachbarschaftlichkeit im Westeuropa des 20. Jahrhunderts“ thematisierte einige wichtige Aspekte, die uns auch in der Auseinandersetzung mit den Großsiedlungen beschäftigen.

In ihrer Einführung betonte Christiane Reinecke, dass Praktiken der Abgrenzung, wie z.B. der Stigmatisierung von Großsiedlungen als „soziale Brennpunkte“, durch Untersuchungen aus der Perspektive der Bewohnerinnen und Bewohner ergänzt werden müssen, die möglicherweise ganz andere Interpretationen nahelegen. In den weiteren Vorträgen wurde dann deutlich, dass sozialräumliche Abgrenzung immer ein aktiver Prozess ist und dadurch immer wieder neu hergestellt wird. Entsprechende Praktiken der Abgrenzung fanden die Vortragenden in der Produktion sozialwissenschaftlicher Expertise, im Hauserwerb, aber eben auch im Alltag von Bewohnerinnen und Bewohnern. Dementsprechend sind sozialräumliche Differenzen mehr als Zuschreibungungen. Sie sind vor allem im Alltagshandeln der beteiligten Akteure verankert, das mitunter quer zu den Zuschreibungen steht.