Anwaltsplanung in Kranichstein

Aufgrund der langsam bis gar nicht voranschreitenden Ausstattung der neuen Siedlung am Rande Darmstadts mit notwendiger Infrastruktur wie Läden, einer Apotheke, Post, Kindergärten oder Ärzten kam es zu Unzufriedenheit und Protesten der BewohnerInnen und es bildete sich 1970 die Interessensgemeinschaft Kranichstein (IGK).

Ab 1972 wurden die in der IGK organisierten BewohnerInnen von zwei Anwaltsplanern unterstützt, die von der Stadt eingesetzt aber nicht weisungsgebunden als Vermittlungsinstanz zwischen der Verwaltung und den Planungsbetroffenen dienen sollte. Sie sollten die Interessen und Wünsche der BewohnerInnen in konkrete Planungsvorschläge umwanden und somit die Partizipation der Betroffenen am Planungsprozess ermöglichen.

Dieser Versuch der Anwaltsplanung wurde durch das Institut Wohnen und Umwelt (IWU) wissenschaftlich begleitet und auch vom Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau finanziell gefördert. Im Rahmen dessen wurde die Anwaltsplanung teilnehmend beobachtet und dazu Berichte verfasst: beispielsweise für interessierte PolitikerInnen mit dem Ziel den Prozess der Anwaltsplanung darzustellen und die Vorteile der Anwaltsplanung für die Beteiligten herauszuarbeiten. Aber auch an anderen Publikationen zur Ermunterung interessierter BürgerInnen beteiligte sich die Autorengruppe des IWU, wie im Falle des Sammelbandes „Labyrinth Stadt“.

Andritzky M, Becker P, Selle G (Hrsg.): Labyrinth Stadt. Planung und Chaos im Städtebau. Ein Handbuch für Bewohner; Köln 1975.
Brech J, Greiff R, Schäfer H, Will K, Zinn H.: Anwaltsplanung. Eine empirische Untersuchung über ein Verfahren zur gerechteren Verteilung von Sachverstand in Planungsprozessen; Bonn 1977.