Doktorand_Innenkolloquium der Weimarer Wohnungsforschung

Am 5. und 6. Juli fand an der Bauhausuniversität Weimar ein interdisziplinäres Doktorand_innenkolloquium zum Thema „Wohnungsfrage(n) ohne Ende“ statt. 15 Doktorand_innen aus unterschiedlichen Disziplinen stellten dabei Ihre Promotionsprojekte vor. Schwerpunkt war die Frage nach bezahlbarem, lebenswerten Wohnraum. Das Themenspektrum umfasste vor allem den sozialen sowie gemeinschaftlichen Wohnungsbau, soziale Bewegungen in der Stadt und Einflussmöglichkeiten privater sowie öffentlicher Träger_innen auf die Wohnraumversorgung. Thematisch einte die Vorhaben ebenfalls, dass sie sich hauptsächlich auf größere Städte konzentrierten.  Die Entwicklung der Bürgerinitiative in der Großsiedlung Kranichstein konnte in diesem Kontext unter dem Titel „„Stimmen aus den Häuserschluchten“. Politische Partizipation in Großsiedlungen“ vorgestellt und kritisch kommentiert werden, was sehr spannend war, zeigte es doch, dass manche Phänomene der Stadtentwicklung in unterschiedlichen Formen eine lange Historie haben.

Das Doktorand_Innenkolloquium ist Teil der Workshopreihe „Wohnungsfrage(n) ohne Ende. Aktuelle und historische Entwicklungen in der Wohnungspolitik“ organisiert durch die Weimarer Wohnungsforschung.

Stadtteiljubiläum

kranichstein-jubilaeumsflyeDer Stadtteil Neu-Kranichstein ist mittlerweile 50 Jahre alt: Grund genug, das Festjahr mit einem bunten Jubiläumsprogramm auszugestalten. Dabei werden neue Eröffnungen und Stadtteilentwicklungen genauso gewürdigt, wie alte Erinnerungen. Das vielfältige Programm, dessen Flyer hier abgebildet ist, kann unter jubi50-kranichstein nachgelesen werden: .

Der 24. Mai war der Jahrestag der Grundsteinlegung und an diesem wurde im Bürgerhaus bei Kaffee und Kuchen zurückgedacht an die Anfänge Kranichsteins, die am längsten in Kranichstein lebende Bürgerin ermittelt und interessante Gespräche geführt.
Am 25. Mai folgte dann der feierliche Festakt im HEAG Depot, bei dem der Oberbürgermeister Darmstadts die positive Entwicklung des Stadtteils betonte und auch der Vorsitzende des Fördervereins Kranichstein in seiner Rede alle einlud, sich Kranichstein einmal anzusehen und dabei das Besondere und Schöne zu entdecken, das dieser Stadtteil zu bieten hat. Denn einmal selbst nach Kranichstein zu kommen, arbeite am effizientesten gegen all die Vorurteile, die vor allem die noch pflegen, die selbst noch nie hier gewesen sind. Die jahrzehntealte Differenz der Wahrnehmung vom Stadtteil zwischen den Bewohnenden und Auswärtigen, wurde hier deutlich.
Am 28. Mai wurde dann im Rahmen eines Kulturrundgangs das neue Sonnendeck am Brentanosee eröffnet und bei diesem Anlass immer wieder die Verbindung der Grünanlagen, öffentlichen Plätze und der Hochhäuser betont. Gewürdigt wurden dabei vor allem die im Rahmen des Bund-Länderprogramms „Soziale Stadt“ veränderten und neu geschaffenen Einrichtungen, wie die „neue Mitte“ am Ende der neu gestalteten und nun zum gemütlichen Verweilen einladenden Bartningstraße.

Vortrag: “Patina oder Schmutz? Lesarten von Beton in Großwohnbauten der 1970er Jahre” (TU Darmstadt)

Die AG Interdisziplinäre Stadtforschung an der TU Darmstadt organisiert im Sommersemester 2018 vier öffentliche Abendvorträge, zu denen alle Interessierten herzlich eingeladen sind.
Mehr zu den Abendvorträgen

Im Rahmen der Abendvorträge wird am Dienstag, den 24. April 2018 um 18:30 Uhr am Fachbereich Architektur (El-Lissitzky-Str.1, 64287 Darmstadt) im Raum 58 Claudia Volberg (Technische Universität Graz, Institut für Architekturtechnologie) über ihre Forschung zu Großsiedlungen sprechen:

Claudia Volberg:
“Patina oder Schmutz? Lesarten von Beton in Großwohnbauten der 1970er Jahre”

24. April 2018, 18:30 Uhr
Fachbereich Architektur, Raum 58
El-Lissitzky-Str.1, 64287 Darmstadt

Anwaltsplanung in Kranichstein

Aufgrund der langsam bis gar nicht voranschreitenden Ausstattung der neuen Siedlung am Rande Darmstadts mit notwendiger Infrastruktur wie Läden, einer Apotheke, Post, Kindergärten oder Ärzten kam es zu Unzufriedenheit und Protesten der BewohnerInnen und es bildete sich 1970 die Interessensgemeinschaft Kranichstein (IGK).

Ab 1972 wurden die in der IGK organisierten BewohnerInnen von zwei Anwaltsplanern unterstützt, die von der Stadt eingesetzt aber nicht weisungsgebunden als Vermittlungsinstanz zwischen der Verwaltung und den Planungsbetroffenen dienen sollte. Sie sollten die Interessen und Wünsche der BewohnerInnen in konkrete Planungsvorschläge umwanden und somit die Partizipation der Betroffenen am Planungsprozess ermöglichen.

Dieser Versuch der Anwaltsplanung wurde durch das Institut Wohnen und Umwelt (IWU) wissenschaftlich begleitet und auch vom Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau finanziell gefördert. Im Rahmen dessen wurde die Anwaltsplanung teilnehmend beobachtet und dazu Berichte verfasst: beispielsweise für interessierte PolitikerInnen mit dem Ziel den Prozess der Anwaltsplanung darzustellen und die Vorteile der Anwaltsplanung für die Beteiligten herauszuarbeiten. Aber auch an anderen Publikationen zur Ermunterung interessierter BürgerInnen beteiligte sich die Autorengruppe des IWU, wie im Falle des Sammelbandes „Labyrinth Stadt“.

Andritzky M, Becker P, Selle G (Hrsg.): Labyrinth Stadt. Planung und Chaos im Städtebau. Ein Handbuch für Bewohner; Köln 1975.
Brech J, Greiff R, Schäfer H, Will K, Zinn H.: Anwaltsplanung. Eine empirische Untersuchung über ein Verfahren zur gerechteren Verteilung von Sachverstand in Planungsprozessen; Bonn 1977.

International New Town Institute und New Towns Heritage Research Network

In den Niederlanden und Großbritannien zeigt sich zunehmend die politische Relevanz der Forschung zur Geschichte von Großsiedlungen und „Neuen Städten“. Das International New Town Institute (INTI), dessen Arbeit auf den Denkmalwert solcher Siedlungen und Städte fokussiert, kooperiert bereits eng mit mehreren Kommunen in den Niederlanden und Großbritannien, die als „Neue Städte“ in den 1950er-1970er Jahren konzipiert worden sind. Mit explizit geschichtswissenschaftlichem Interesse hat sich im vergangenen Jahr das New Towns Heritage Research Network an der Oxford Brookes University formiert. Diese Initiativen zeigen, wie die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Kommunen aussehen kann, um die Geschichte von Großsiedlungen in Erinnerung zu rufen und für die zukünftige Stadtentwicklung nutzbar zu machen.

International New Town Institute (INTI)

New Towns Heritage Research Network