Siedlungsgedicht

Gedichtet wurde in der Stadtteilzeitung noch mehr:

Un noch een Gedicht
O Kinners – Lüd
Wi löppt die Tid.
Hier sind wi nun schon över een Johr
Un manch een is all nich mehr dor.
Wi kamt de Minschen hier nu trecht?
Dee eene god – dee andre schlecht.
Een meen: lck treck hier wedder ut
Dee Kinner sind mi hier to lut!
Dee Andre: Dat Badezimmer is en Staat
Fröher hev wi inne Waschbalge bad!
Wedder een: lck kam von St. Pauli her.
Hier to lew’n fallt mi schwer.
lck kann woll segg’n: Uns gefallt datt hier.
Na ja – wi sind olt – gaht veel spazieren.
Ach – eenmal wär dee Wegg to Enn
Dor ging wi över dee Wisch’n mang dee Keuh
noh Hus hen
Blos een Deel gefallt mi hier nich.
Dee Figur, dee dor steiht oppe lütte Eck Wisch.
Dee sütt ja ut,
As köm he ut’n Säurebad rut,
Oder hett he irgendwo inne Eck rümstahn
Un hell von Krieg datt mitbekam?
Kiek ick em an dann kummt mi gor
Dee Erinnerung an de Hungerjohr
Dee unbekannte Poet

(in: Borner Mitteilungen Nr.2 1971 S. 9)

Dieses Gedicht „up platt“ fasst die Situation nach etwas mehr als einem Jahr Bezug des Osdorfer Borns zusammen: Die Erzählungen von den schönen Wohnungen, die Umstellung in dem neuen Gebiet zu leben, den vielen (und lauten) Kindern, das Wohnen am Grünen und die umstrittenen Kunstobjekte finden Erwähnung.