Vortrag: “Patina oder Schmutz? Lesarten von Beton in Großwohnbauten der 1970er Jahre” (TU Darmstadt)

Die AG Interdisziplinäre Stadtforschung an der TU Darmstadt organisiert im Sommersemester 2018 vier öffentliche Abendvorträge, zu denen alle Interessierten herzlich eingeladen sind.
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Im Rahmen der Abendvorträge wird am Dienstag, den 24. April 2018 um 18:30 Uhr am Fachbereich Architektur (El-Lissitzky-Str.1, 64287 Darmstadt) im Raum 58 Claudia Volberg (Technische Universität Graz, Institut für Architekturtechnologie) über ihre Forschung zu Großsiedlungen sprechen:

Claudia Volberg:
“Patina oder Schmutz? Lesarten von Beton in Großwohnbauten der 1970er Jahre”

24. April 2018, 18:30 Uhr
Fachbereich Architektur, Raum 58
El-Lissitzky-Str.1, 64287 Darmstadt

Anwaltsplanung in Kranichstein

Aufgrund der langsam bis gar nicht voranschreitenden Ausstattung der neuen Siedlung am Rande Darmstadts mit notwendiger Infrastruktur wie Läden, einer Apotheke, Post, Kindergärten oder Ärzten kam es zu Unzufriedenheit und Protesten der BewohnerInnen und es bildete sich 1970 die Interessensgemeinschaft Kranichstein (IGK).

Ab 1972 wurden die in der IGK organisierten BewohnerInnen von zwei Anwaltsplanern unterstützt, die von der Stadt eingesetzt aber nicht weisungsgebunden als Vermittlungsinstanz zwischen der Verwaltung und den Planungsbetroffenen dienen sollte. Sie sollten die Interessen und Wünsche der BewohnerInnen in konkrete Planungsvorschläge umwanden und somit die Partizipation der Betroffenen am Planungsprozess ermöglichen.

Dieser Versuch der Anwaltsplanung wurde durch das Institut Wohnen und Umwelt (IWU) wissenschaftlich begleitet und auch vom Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau finanziell gefördert. Im Rahmen dessen wurde die Anwaltsplanung teilnehmend beobachtet und dazu Berichte verfasst: beispielsweise für interessierte PolitikerInnen mit dem Ziel den Prozess der Anwaltsplanung darzustellen und die Vorteile der Anwaltsplanung für die Beteiligten herauszuarbeiten. Aber auch an anderen Publikationen zur Ermunterung interessierter BürgerInnen beteiligte sich die Autorengruppe des IWU, wie im Falle des Sammelbandes „Labyrinth Stadt“.

Andritzky M, Becker P, Selle G (Hrsg.): Labyrinth Stadt. Planung und Chaos im Städtebau. Ein Handbuch für Bewohner; Köln 1975.
Brech J, Greiff R, Schäfer H, Will K, Zinn H.: Anwaltsplanung. Eine empirische Untersuchung über ein Verfahren zur gerechteren Verteilung von Sachverstand in Planungsprozessen; Bonn 1977.

International New Town Institute und New Towns Heritage Research Network

In den Niederlanden und Großbritannien zeigt sich zunehmend die politische Relevanz der Forschung zur Geschichte von Großsiedlungen und „Neuen Städten“. Das International New Town Institute (INTI), dessen Arbeit auf den Denkmalwert solcher Siedlungen und Städte fokussiert, kooperiert bereits eng mit mehreren Kommunen in den Niederlanden und Großbritannien, die als „Neue Städte“ in den 1950er-1970er Jahren konzipiert worden sind. Mit explizit geschichtswissenschaftlichem Interesse hat sich im vergangenen Jahr das New Towns Heritage Research Network an der Oxford Brookes University formiert. Diese Initiativen zeigen, wie die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Kommunen aussehen kann, um die Geschichte von Großsiedlungen in Erinnerung zu rufen und für die zukünftige Stadtentwicklung nutzbar zu machen.

International New Town Institute (INTI)

New Towns Heritage Research Network