Update Frauen- und Geschlechtergeschichte

Am 18. Januar 2019 findet ein Nachwuchsworkshop des Arbeitskreises Historische Frauen- und Geschlechterforschung Region Nord am Hamburger Institut für Sozialforschung statt, in dessen Rahmen ich die geschlechtergeschichtlichen Aspekte der Großsiedlungsentwicklung und -planung diskutieren werde. Unter den Titel „„Planen mit Architekt und Hausfrau“. Der Einfluss von Bewohnerinnen im Planungs- und Gestaltungsprozess von Großsiedlungen in den 1970er Jahren“ möchte ich auf der einen Seite zeigen, dass auch Großsiedlungsbau und -bewohnen geschlechtsspezifische Differenzierungen aufweisen und auf der anderen Seite die Möglichen Zugänge zu diesem Aspekt diskutieren. Dabei freue ich mich sehr auf die unterschiedlichen Einblicke in Arbeiten aus verschiedenen Epochen und Schwerpunkten und spannende Diskussionen zu Methoden und Theorien dieser Arbeiten.

Zur Ankündigung und dem Programm

„Stadt multidisziplinär“

Im Rahmen des Workshops „Stadt multidisziplinär. Projekte und Perspektiven der Forschung„, der am 30.10.2018 in der Schader Stiftung stattfand, konnten wir das Konzept des Forschungsprojekt „Großsiedlungen in der Krise?“ und erste Ergebnisse präsentieren. Der Workshop diente dem Austausch über Forschungsprojekte, die aktuell an der TU Darmstadt im Bereich der Stadtforschung laufen, bezog aber auch die Perspektive von Praktikerinnen und Praktikern in der Stadtplanung mit ein.

Mit unserem Beitrag konnten wir auf die Bedeutung von Wertvorstellungen für die Planung und für den Umgang mit der gebauten Umwelt aufzeigen. Am Beispiel der Großsiedlungen wird aber auch besonders deutlich, wie sich Wertvorstellungen im Laufe der Zeit ändern und welche Konsequenzen dies für die Beurteilung der Siedlungen hat.

Zum Programm des Workshops

Wohnen mit Elbblick und Waldohreulen: Stadtteilrundgang im Osdorfer Born

Am 29. September besuchte eine Gruppe Neugieriger im Rahmen der Stadtteilrundgänge den Osdorfer Born. Diese Ende der 60er Jahre errichtete Siedlung Hamburgs präsentierte sich bei bestem Wetter freundlich, vielseitig und vor allem grün und naturnah.

Obwohl die erste Assoziation mit dem Osdorfer Born die vier Hochhäuser sein mögen, die von weitem zu sehen sind, die die Bilder über den Stadtteil prägen und von deren obersten Stockwerken die Elbe zu sehen ist, so lag die Betonung bei diesem Rundgang auf der Kunst am Bau, den zahlreichen integrativen Kräften, die den Born schon früh prägten und den Vorzügen unbebauten Grüns, den zahlreichen Spielplätzen und Parks sowie der ruhigen Wohnlage.

Besichtigt wurden neben den Parkanlagen auch der Schack-See, das neue Stadtteilzentrum, die Schule, das Gemeindehaus, sowie die spannende Wegeführung des Stadtteils. Dass der Born als sozialer Brennpunkt galt und gilt wurde aufgegriffen, aber auch betont, dass es sich hier gut leben lässt. Die Wahrnehmungsdifferenz zwischen externer Zuschreibung und interner Wahrnehmung und die Bemühung um ein besseres Image des Stadtteils wurden hier deutlich. Die angebotenen Rundgänge sind Teil der Initative, die Außenwahrnehmung des Osdorfer Borns positiver zu gestalten. Vielen Dank an Bernd Meier für diesen wunderbaren und interessanten Rundgang durch den Stadtteil!

 

Historikertag 2018

Auf dem disjährigen Historikertag, der vom 25.-28.9. in Münster stattfand, war eine Sektion für unser Projekt besonders interessant. Die von Christiane Reinecke geleitete Sektion „Urban distinctions. Praxeologische Perspektiven auf Segregation und Nachbarschaftlichkeit im Westeuropa des 20. Jahrhunderts“ thematisierte einige wichtige Aspekte, die uns auch in der Auseinandersetzung mit den Großsiedlungen beschäftigen.

In ihrer Einführung betonte Christiane Reinecke, dass Praktiken der Abgrenzung, wie z.B. der Stigmatisierung von Großsiedlungen als „soziale Brennpunkte“, durch Untersuchungen aus der Perspektive der Bewohnerinnen und Bewohner ergänzt werden müssen, die möglicherweise ganz andere Interpretationen nahelegen. In den weiteren Vorträgen wurde dann deutlich, dass sozialräumliche Abgrenzung immer ein aktiver Prozess ist und dadurch immer wieder neu hergestellt wird. Entsprechende Praktiken der Abgrenzung fanden die Vortragenden in der Produktion sozialwissenschaftlicher Expertise, im Hauserwerb, aber eben auch im Alltag von Bewohnerinnen und Bewohnern. Dementsprechend sind sozialräumliche Differenzen mehr als Zuschreibungungen. Sie sind vor allem im Alltagshandeln der beteiligten Akteure verankert, das mitunter quer zu den Zuschreibungen steht.

Zwischen Planung und Realisierung

Darmstadt Kranichstein - Die Grundsteinlegung005
Modell Kranichsteins von Ernst May in: Neue Heimat Südwest (Hrsg.): Darmstadt-Kranichstein: die Grundsteinlegung. Festschrift der Neue Heimat Südwest, Gemeinnützige Wohnungs- u. Siedlungsges. mbH, . Frankfurt (a.M.) 1968.
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Darmstadt-Kranichstein mit heutiger Bebauung. © OpenStreetMap-Mitwirkende

In Folge des Wiederaufbaus und des rasanten Wachstums der Städte in den 1960er Jahren wurden rund um Darmstadt neue und morderne Großsiedlungen geplant. Neu-Kranichstein war eine davon und sollte schnell auf 65 000 Einwohner anwachsen. Mit der Planung dieses Unterfangens wurde Ernst May betraut, der den Stadtteil mit allen Wohnhäusern, Kirchen, Einkaufsläden und öffentlichen Einrichzungen entwarf.

Umgesetzt wurde von dieser Planung allerdings nur der erste Bauabschnitt und auch dieser nur in Teilen, da der Stadtteil deutlich langsamer wuchs als erwartet, die Baukosten ab Ende der 60er Jahre deutlich anstiegen und sich die öffentliche Meinung gegen Hochhausbebauung und Modernismus richtete. Die Architektur, die zunächst als zukunftsweisend und konfortable gegolten hatten, galt nun als monoton und lebensfeindlich. An den Plänen ist sehr schön die Differenz zwischen Planung und Umsetzung zu erkennen. Heute leben knapp 12.000 Menschen in Kranichstein.

EAUH-Konferenz

Vom 29.08. bis 01.09.2018 fand dieses Jahr in Rom die Konferenz der European Association for Urban History statt. In vielen spannenden Beiträgen wurden Themen rund um die Stadtgeschichte diskutiert. Besonders spannend fand ich dabei zum einen die Session zu „Spaces of Fear in the 20th Century City“, in der anhand verschiedener Beispiele und methodischer Zugänge gezeigt und diskutiert wurde, wie „Angsträume“ wie Straßen, U-Bahnstationen oder Stadtteile diskursiv hergestellt wurden und wie sich die Wahrnehmung in der Berichterstattung konstruierte. Zum anderen wurden vielfach Stadterneuerungsgebiete, deren Herstellung, Architektur und die mediale Kommunikation der Planenden in verschiedenen Epochen dargestellt, was interessante Perspektiven auf innerstädtische Neubaugebiete eröffente.

Edeka-Baracke

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Blick auf die Baracke um 1970 von der Bartningstraße. Dia Brygann, Stadtteilarchiv Kranichstein.

1968 wurde gegenüber den ersten Hochhäusern in der Bartningstraße als provisorische Einkaufsmöglichkeit eine Holzbaracke gebaut, in der ein Edeka untergebracht wurde. Das Darmstädter Echo bezeichnete diesen 1968 als einen „recht ansehnlichen provisorischen Laden mit einer Verkaufsfläche von 240 Quadratmeter“. Die Erinnerungen daran sind vielfältig und reichen davon, dass immer alles voller Sand war bis dahin, dass man dort eigentlich alles Wichtige bekommen habe.

Erst 1975, also nach sieben Jahren Provisorium, eröffnete das heutige Einkaufszentrum am See, das die Baracke als Lebensmittelladen überflüssig machte und das Angebot deutlich erweiterte. In der Zwischenzeit war der Plan des Architekten Ernst May, ein großes Zentrum zu bauen, das dem Stadtteil einen eigenen Charakter verleihen und auch Gemeinschaftseinrichtungen wie ein Hallenbad und ein Bürgerhaus beinhalten sollte, deutlich reduziert worden.