Wohnen mit Elbblick und Waldohreulen: Stadtteilrundgang im Osdorfer Born

Am 29. September besuchte eine Gruppe Neugieriger im Rahmen der Stadtteilrundgänge den Osdorfer Born. Diese Ende der 60er Jahre errichtete Siedlung Hamburgs präsentierte sich bei bestem Wetter freundlich, vielseitig und vor allem grün und naturnah.

Obwohl die erste Assoziation mit dem Osdorfer Born die vier Hochhäuser sein mögen, die von weitem zu sehen sind, die die Bilder über den Stadtteil prägen und von deren obersten Stockwerken die Elbe zu sehen ist, so lag die Betonung bei diesem Rundgang auf der Kunst am Bau, den zahlreichen integrativen Kräften, die den Born schon früh prägten und den Vorzügen unbebauten Grüns, den zahlreichen Spielplätzen und Parks sowie der ruhigen Wohnlage.

Besichtigt wurden neben den Parkanlagen auch der Schack-See, das neue Stadtteilzentrum, die Schule, das Gemeindehaus, sowie die spannende Wegeführung des Stadtteils. Dass der Born als sozialer Brennpunkt galt und gilt wurde aufgegriffen, aber auch betont, dass es sich hier gut leben lässt. Die Wahrnehmungsdifferenz zwischen externer Zuschreibung und interner Wahrnehmung und die Bemühung um ein besseres Image des Stadtteils wurden hier deutlich. Die angebotenen Rundgänge sind Teil der Initative, die Außenwahrnehmung des Osdorfer Borns positiver zu gestalten. Vielen Dank an Bernd Meier für diesen wunderbaren und interessanten Rundgang durch den Stadtteil!

 

Historikertag 2018

Auf dem disjährigen Historikertag, der vom 25.-28.9. in Münster stattfand, war eine Sektion für unser Projekt besonders interessant. Die von Christiane Reinecke geleitete Sektion „Urban distinctions. Praxeologische Perspektiven auf Segregation und Nachbarschaftlichkeit im Westeuropa des 20. Jahrhunderts“ thematisierte einige wichtige Aspekte, die uns auch in der Auseinandersetzung mit den Großsiedlungen beschäftigen.

In ihrer Einführung betonte Christiane Reinecke, dass Praktiken der Abgrenzung, wie z.B. der Stigmatisierung von Großsiedlungen als „soziale Brennpunkte“, durch Untersuchungen aus der Perspektive der Bewohnerinnen und Bewohner ergänzt werden müssen, die möglicherweise ganz andere Interpretationen nahelegen. In den weiteren Vorträgen wurde dann deutlich, dass sozialräumliche Abgrenzung immer ein aktiver Prozess ist und dadurch immer wieder neu hergestellt wird. Entsprechende Praktiken der Abgrenzung fanden die Vortragenden in der Produktion sozialwissenschaftlicher Expertise, im Hauserwerb, aber eben auch im Alltag von Bewohnerinnen und Bewohnern. Dementsprechend sind sozialräumliche Differenzen mehr als Zuschreibungungen. Sie sind vor allem im Alltagshandeln der beteiligten Akteure verankert, das mitunter quer zu den Zuschreibungen steht.

Zwischen Planung und Realisierung

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Modell Kranichsteins von Ernst May in: Neue Heimat Südwest (Hrsg.): Darmstadt-Kranichstein: die Grundsteinlegung. Festschrift der Neue Heimat Südwest, Gemeinnützige Wohnungs- u. Siedlungsges. mbH, . Frankfurt (a.M.) 1968.
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Darmstadt-Kranichstein mit heutiger Bebauung. © OpenStreetMap-Mitwirkende

In Folge des Wiederaufbaus und des rasanten Wachstums der Städte in den 1960er Jahren wurden rund um Darmstadt neue und morderne Großsiedlungen geplant. Neu-Kranichstein war eine davon und sollte schnell auf 65 000 Einwohner anwachsen. Mit der Planung dieses Unterfangens wurde Ernst May betraut, der den Stadtteil mit allen Wohnhäusern, Kirchen, Einkaufsläden und öffentlichen Einrichzungen entwarf.

Umgesetzt wurde von dieser Planung allerdings nur der erste Bauabschnitt und auch dieser nur in Teilen, da der Stadtteil deutlich langsamer wuchs als erwartet, die Baukosten ab Ende der 60er Jahre deutlich anstiegen und sich die öffentliche Meinung gegen Hochhausbebauung und Modernismus richtete. Die Architektur, die zunächst als zukunftsweisend und konfortable gegolten hatten, galt nun als monoton und lebensfeindlich. An den Plänen ist sehr schön die Differenz zwischen Planung und Umsetzung zu erkennen. Heute leben knapp 12.000 Menschen in Kranichstein.

EAUH-Konferenz

Vom 29.08. bis 01.09.2018 fand dieses Jahr in Rom die Konferenz der European Association for Urban History statt. In vielen spannenden Beiträgen wurden Themen rund um die Stadtgeschichte diskutiert. Besonders spannend fand ich dabei zum einen die Session zu „Spaces of Fear in the 20th Century City“, in der anhand verschiedener Beispiele und methodischer Zugänge gezeigt und diskutiert wurde, wie „Angsträume“ wie Straßen, U-Bahnstationen oder Stadtteile diskursiv hergestellt wurden und wie sich die Wahrnehmung in der Berichterstattung konstruierte. Zum anderen wurden vielfach Stadterneuerungsgebiete, deren Herstellung, Architektur und die mediale Kommunikation der Planenden in verschiedenen Epochen dargestellt, was interessante Perspektiven auf innerstädtische Neubaugebiete eröffente.

Edeka-Baracke

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Blick auf die Baracke um 1970 von der Bartningstraße. Dia Brygann, Stadtteilarchiv Kranichstein.

1968 wurde gegenüber den ersten Hochhäusern in der Bartningstraße als provisorische Einkaufsmöglichkeit eine Holzbaracke gebaut, in der ein Edeka untergebracht wurde. Das Darmstädter Echo bezeichnete diesen 1968 als einen „recht ansehnlichen provisorischen Laden mit einer Verkaufsfläche von 240 Quadratmeter“. Die Erinnerungen daran sind vielfältig und reichen davon, dass immer alles voller Sand war bis dahin, dass man dort eigentlich alles Wichtige bekommen habe.

Erst 1975, also nach sieben Jahren Provisorium, eröffnete das heutige Einkaufszentrum am See, das die Baracke als Lebensmittelladen überflüssig machte und das Angebot deutlich erweiterte. In der Zwischenzeit war der Plan des Architekten Ernst May, ein großes Zentrum zu bauen, das dem Stadtteil einen eigenen Charakter verleihen und auch Gemeinschaftseinrichtungen wie ein Hallenbad und ein Bürgerhaus beinhalten sollte, deutlich reduziert worden.

 

Doktorand_Innenkolloquium der Weimarer Wohnungsforschung

Am 5. und 6. Juli fand an der Bauhausuniversität Weimar ein interdisziplinäres Doktorand_innenkolloquium zum Thema „Wohnungsfrage(n) ohne Ende“ statt. 15 Doktorand_innen aus unterschiedlichen Disziplinen stellten dabei Ihre Promotionsprojekte vor. Schwerpunkt war die Frage nach bezahlbarem, lebenswerten Wohnraum. Das Themenspektrum umfasste vor allem den sozialen sowie gemeinschaftlichen Wohnungsbau, soziale Bewegungen in der Stadt und Einflussmöglichkeiten privater sowie öffentlicher Träger_innen auf die Wohnraumversorgung. Thematisch einte die Vorhaben ebenfalls, dass sie sich hauptsächlich auf größere Städte konzentrierten.  Die Entwicklung der Bürgerinitiative in der Großsiedlung Kranichstein konnte in diesem Kontext unter dem Titel „„Stimmen aus den Häuserschluchten“. Politische Partizipation in Großsiedlungen“ vorgestellt und kritisch kommentiert werden, was sehr spannend war, zeigte es doch, dass manche Phänomene der Stadtentwicklung in unterschiedlichen Formen eine lange Historie haben.

Das Doktorand_Innenkolloquium ist Teil der Workshopreihe „Wohnungsfrage(n) ohne Ende. Aktuelle und historische Entwicklungen in der Wohnungspolitik“ organisiert durch die Weimarer Wohnungsforschung.

Stadtteiljubiläum

kranichstein-jubilaeumsflyeDer Stadtteil Neu-Kranichstein ist mittlerweile 50 Jahre alt: Grund genug, das Festjahr mit einem bunten Jubiläumsprogramm auszugestalten. Dabei werden neue Eröffnungen und Stadtteilentwicklungen genauso gewürdigt, wie alte Erinnerungen. Das vielfältige Programm, dessen Flyer hier abgebildet ist, kann unter jubi50-kranichstein nachgelesen werden: .

Der 24. Mai war der Jahrestag der Grundsteinlegung und an diesem wurde im Bürgerhaus bei Kaffee und Kuchen zurückgedacht an die Anfänge Kranichsteins, die am längsten in Kranichstein lebende Bürgerin ermittelt und interessante Gespräche geführt.
Am 25. Mai folgte dann der feierliche Festakt im HEAG Depot, bei dem der Oberbürgermeister Darmstadts die positive Entwicklung des Stadtteils betonte und auch der Vorsitzende des Fördervereins Kranichstein in seiner Rede alle einlud, sich Kranichstein einmal anzusehen und dabei das Besondere und Schöne zu entdecken, das dieser Stadtteil zu bieten hat. Denn einmal selbst nach Kranichstein zu kommen, arbeite am effizientesten gegen all die Vorurteile, die vor allem die noch pflegen, die selbst noch nie hier gewesen sind. Die jahrzehntealte Differenz der Wahrnehmung vom Stadtteil zwischen den Bewohnenden und Auswärtigen, wurde hier deutlich.
Am 28. Mai wurde dann im Rahmen eines Kulturrundgangs das neue Sonnendeck am Brentanosee eröffnet und bei diesem Anlass immer wieder die Verbindung der Grünanlagen, öffentlichen Plätze und der Hochhäuser betont. Gewürdigt wurden dabei vor allem die im Rahmen des Bund-Länderprogramms „Soziale Stadt“ veränderten und neu geschaffenen Einrichtungen, wie die „neue Mitte“ am Ende der neu gestalteten und nun zum gemütlichen Verweilen einladenden Bartningstraße.